Newseintrag vom 29.03.2011 |
Autor: Marie |

Sitzschulungskurs mit Elke Miemitz in Brunne

Zu diesem Kurs der etwas anderen Art traf sich eine bunt gemischte Truppe: Von Anfänger bis Trainer A, von Western bis Klassik, vom Einsteller bis zum Externen, von 16 – 60 Jahren war alles vertreten.

Begonnen haben wir mit einem Test: Erfülle ich die Minimalvoraussetzungen für das Reiten? Getestet wurde ohne Pferd, und zwar ging es um Balance, Beweglichkeit, Ausdauer, Kraft und Koordination. An den Gesichtern der Teilnehmer meinte man schon die ersten Verkaufsanzeigen ablesen zu können. Aber keine Sorge: Wir haben den Test natürlich alle bestanden.
Wer macht sich aber schon Gedanken über seine eigene Fitness?
Mit dem Pferd trainieren wir Ausdauer, Kraft für die Hinterhand, Rückenmuskulatur und gymnastizieren was das Zeug hält. Aber wir selbst?! Da hilft auch der beste Therapeut für’s Pferd nichts, wenn der Reiter nach der Behandlung des Pferdes weiterhin fest ist und „stört“. Also müssen wir Reiter auch fleißig an uns arbeiten. Ihr ahnt schon, was der nächste Programmpunkt war: Aufwärmen in der Reithalle zu Fuß: Kreislauf in Schwung bringen, Muskeln warm machen, Arme, Schultern und Beine mobilisieren, Oberkörper aufrichten und aufdehnen..... trotz Kälte flogen die Jacken und Pullis. Sporen müssen natürlich auch abgenommen werden, man will sich ja nicht selbst verletzten.

Danach ging es aufs Pferd – zumindest für die Hälfte der Gruppe. Die andere Hälfte war als Führer für die Pferde angestellt, damit die Reiter sich ganz auf die Übungen und sich selbst konzentrieren können.
Es klingt jetzt sicher komisch, wenn ich sage, dass wir „nur“ ein bisschen mit den Beinen geschaukelt, mit den Armen gewackelt haben, den Oberkörper vor und zurück bewegt haben, bewusst atmen sollten.... und schon saßen wir korrekt, entspannt und tief im Sattel - und die Bügel waren zu kurz. Man muss es erlebt haben, um dieses Gefühl nachvollziehen zu können.
Die Reiter bekamen „ihr Lenkrad“ zurück. Es wurde dann noch im Trab an der Atmung und am Rhythmus gearbeitet. Zum Beispiel lernten wir, wie wir ein eiliges Pferd langsam reiten können; den Zügel durften wir nicht benutzen.
Ohne dass wir an den Pferden rumgearbeitet hätten, liefen diese entspannt, taktrein und mit aufgewölbtem Rücken – wir haben nur an uns gearbeitet. Das, was sich beim Pferd geändert hat, war nur ein „Abfallprodukt“ unserer Reiterentspannung.

Nach der Pause – mit vollem Bauch durch gesunde Sportlernahrung – haben wir Koordinationsübungen gemacht. Kann ich mit der rechten Seite meines Körpers etwas anderes machen als mit der linken?
Das sollten wir können: rechter Schenkel zurück, anlegen, linker Schenkel treibt am Gurt, rechte Hand runter, linke Hand hoch und stellen ..... Dafür haben wir geübt und fleißig neue Synapsen in unserem Gehirn gebildet. Weiter ging es mit den „Zähneputzübungen“. Also Dehn- bzw. Kräftigungsübungen, die man in den Alltag einbauen kann.
Danach haben wir uns mit Tennisball auf dem Pferd wiedergefunden. Der Ball diente als Hilfsmittel, um Arme und Schultern zu mobilisieren, die Brustmuskulatur aufzudehnen und um drauf sitzend Po- und Oberschenkelmuskulatur zu lockern. Danach saßen wir wie auf Wolken auf dem Sattel.
Es gab noch weitere Übungen wie Eulenspiegel (Wie weit kann ich den Kopf nach rechts und links drehen) und die Uhr (Hüfte wie auf einem Ziffernblatt bewegen).
Der Abschluss bildete eine langer Pylonenslalom: Wir ritten alle mit minimalsten Hilfen, die wirklich keiner mehr sehen konnte, saßen entspannt und locker auf ebensolchen Pferden und schlängelten uns im Jogg durch den Parcours.
Ziemlich geschafft, aber angenehm durchgeknetet verabschiedeten wir uns, um schnell ins Bett zu fallen.

Obwohl uns durch die Sommerzeit eine Stunde geklaut wurde, standen wir am nächsten Tag hochmotiviert bei Minustemperaturen in der Halle.
Zuerst traf sich die Gruppe, die ohne Sattel reiten und die Bewegungen des Pferdes noch deutlicher erspüren wollte. Dabei wurde erarbeitet, durch Atmung und Sitz den Rhythmus des Pferdes zu beeinflussen und somit genau bestimmen zu können, mit welchem Bein das Pferd zuerst über eine Stange geht. Oder jedes Bein einzeln über die Stange zu dirigieren und jederzeit anhalten zu können.
Das war auch Aufgabe der Reiter mit Sattel. Nebenbei haben wir noch Übergänge geübt. Da wir alle Klasse gesessen haben und tief im Sattel saßen, brauchten wir auch hier nur minimale Hilfen und sind dennoch bzw. gerade deswegen schöne Übergänge geritten. Dann kam mein persönliches Highlight: Ach so: erwähnte ich noch gar nicht. Wir sind auch alle die ganze Zeit ohne Sporen geritten.
Jetzt ging es an die Seitengänge, erst im Schritt, dann im Trab. Unter Anwendung der „Ziffernblatttechnik“ haben wir unsere Pferde in die Seitengänge mitgenommen und – ich konnte es kaum glauben - auch mein Pony joggte seitwärts, kreuzenderweise durch den Parcours. Ich konnte entspannt sitzen und den Zügel nachgeben. Zur Erklärung: ich bin sonst mit Sporen UND Gerte bewaffnet, um seitwärts herausreiten zu können.
Dieses neue Gefühl ist nun aber abgespeichert und ich weiß, dass ich nur mit mehr Beweglichkeit und Lockerheit bei mir vieles für mein Pferd erleichtern kann. Wie heißt es doch immer: 10 zu 1 – die Schuld liegt beim Reiter.

Also haben wir am Nachmittag nur noch an diesen, an den Reitern, gearbeitet. Zirkeltraining mit Bällen, Gewichten und Matten in der Sonne. Übungen mit dem Terra Band, Kräftigung und Dehnung. Danach ging es noch auf die Isomatten und es wurde gedehnt, gestreckt und gearbeitet.

Nach dem Kurs gilt es nun erst richtig loszulegen und Übungen zu Hause, vor dem Reiten und auf dem Pferd zu finden, die diese Lockerheit und den zentrierten Sitz erhalten. Ich muss wohl nicht sagen, dass ich – nein wir alle – von dem Kurs begeistert waren und wir alle diesen Kurs nur weiterempfehlen können.